Warum Lernraum Design und warum jetzt?

Warum Lernraum Design und warum jetzt?

COVID-19. Von heute auf morgen wurden alle Seminare und Workshops abgesagt. Kein Wunder ist die Nachfrage nach digitalem Lernen über Nacht durch die Decke geschossen.

Als leidenschaftliche Expertin für digitales Lernen finde ich die beschleunigte Digitalisierung der Bildung ganz wunderbar. Doch leider musste ich in den letzten Monaten auch beobachten, dass die bisherigen Umsetzungen nur selten das Potential des digitalen Lernens ausgeschöpft haben.

Wie sollte das auch möglich sein, schließlich kam die Umstellung auf digitalen Unterricht für viele Trainer und Coaches so schnell und unerwartet, dass gar keine Zeit für die Auseinandersetzung mit dem Thema blieb. Sie hatten keine Chance, sich mit der Technik vertraut zu machen oder herauszufinden, welche Vorteile und welche methodisch-didaktischen Möglichkeiten digitales Lernen eigentlich bietet.

In meinem ersten Blogartikel erzähle ich dir, warum mich dieser Umstand beschäftigt hat und wie es zu Lernraum Design gekommen ist.

Vom Präsenzseminar zum Webinar: Evolution oder Rückschritt?

Wenn alles schläft und einer spricht… so nennt man das heutzutage glücklicherweise nicht mehr Unterricht. Im Präsenzseminar haben wir den klassischen Frontalunterricht längst mit zahlreichen interaktiven Methoden aufgebrochen oder sogar komplett aus dem Seminarraum verbannt. Nicht der Experte, sondern die Lernenden stehen jetzt im Mittelpunkt und sind in Seminaren und Workshops aktiv am Unterrichtsverlauf beteiligt.

In den letzten Monaten sind Webinare wie Pilze aus dem Boden geschossen. Die Antwort auf „wie kann ich mein Seminar online halten“ lautete fast immer „mit einem Webinar“. Und zwar ganz gleich um welche Zielgruppe oder um welches Thema es sich handelte.

Die meisten Webinare hatten jedoch nichts mit den lebendigen und mitreißenden Seminaren zu tun, die die Trainer bisher vor Ort gegeben hatten. Die Persönlichkeit der Trainer und der Kontakt zu den Teilnehmenden blieb häufig auf der Strecke. Obwohl das Training online viel anstrengender als offline ist, wurden ganztätige Präsenzseminare ungekürzt in einem virtuellen Klassenzimmer wie beispielsweise Zoom abgehalten.

Diese Webinare hatten häufig die Form von Onlinevorträgen, bei denen ein Experte im Stil von Vorlesungen sein Wissen teilte. Das heißt, einer spricht und alle anderen lassen sich berieseln. Wenn wir also genau hinschauen, erkennen wir den alten Wein in neuen Schläuchen: Es handelt sich um klassischen Frontalunterricht, nur dieses Mal eben in digitaler Form.

Alter Wein in neuen Schläuchen:
Ein Webinar ist zumeist ein klassischer Frontalunterricht in digitaler Form.

Du ahnst es bestimmt schon: Webinare wie ich sie eben beschrieben habe, sind in meinen Augen keine Evolution des Unterrichts, denn sie liegen weit unter dem, was digitales Lernen zu bieten hat!

Versteh mich nicht falsch, ich möchte keinesfalls die Bemühungen von Trainern, Coaches und ihren Teilnehmenden schmälern. Ich war wirklich sehr beeindruckt, wie sie mutig ins kalte Wasser gesprungen sind und mit wie viel Energie und Ausdauer sie digitale Lernmöglichkeiten auf die Beine gestellt haben. Ich weiß, dass sie das Beste aus der Situation gemacht haben! Nur war das vielleicht nicht immer ganz ideal für den Lernerfolg und es hat meistens nicht das Potential vom digitalen Lernen ausgeschöpft.

Was bedeutet digitales Lernen?

Digitales Lernen ist online-gestütztes Lernen und geht weit über reines E-Learning hinaus. Wir sind heutzutage immer online. Wir können jedes beliebige Wissen ruckzuck auf dem Smartphone abrufbar. Wir können uns mit Experten und Gleichgesinnten über Facebook-Gruppen, LinkedIn oder andere soziale Netzwerke ebenfalls über das kleine Gerät in unserer Hosentasche austauschen. Selbst in einem Präsenzseminar googlen wir mal schnell einen Fachbegriff.

In unserer heutigen Welt sind offline und online untrennbar vermischt, wir können daher nicht mehr sagen, wo „Lernen“ aufhört und „E-Learning“ anfängt.
Digitales Lernen bedeutet also Lernen in einer digitalen Welt.

Wie kannst du dein Präsenzseminar digitalisieren?

Das Patentrezept für digitales Lernen

Die gute Nachricht ist auch gleichzeitig die schlechte Nachricht: Digitales Lernen (und auch Lehren) ist genau so vielfältig und individuell wie jeder einzelne von uns. Ein Online-Seminar ermöglicht und erfordert eine individuelle Anpassung

  • an die Zielgruppe,
  • an die Trainerpersönlichkeit,
  • an das Thema,
  • an das Lernziel und
  • an den Kontext.

Genau das bedeutet aber auch, dass ich leider kein Rezept habe, welches du einfach auf deine Inhalte anwenden kannst.

Als Trainer bist du immer auch ein Lernraum Designer

Stell dir vor, du wärst Innenarchitekt und sollst das Wohnzimmer eines Kunden neu einrichten. Würdest du direkt loslegen und den Raum nach deinem eigenen Geschmack gestalten? Wohl kaum. Sicherlich würde dein Stil einfließen, deshalb hat sich der Kunde ja für dich entschieden. Du würdest aber erst einmal schauen, was der Raum eigentlich hergibt und vor allem, würdest du herausfinden wollen, wer dein Kunde ist und wie er eigentlich tickt.

  • Wer wohnt hier? Ein Single oder eine Familie?
  • Wie verbringt der Kunde die Zeit im Wohnzimmer? Braucht er einen großen Tisch mit Stühlen für gesellige Spieleabende? Oder eine bequeme Couch für den Netflix-Serienmarathon am Wochenende?
  • Mag er viele Dekoartikel und Fotos oder bevorzugt er freie Flächen und klare Linien?
  • Und welche Farbe hätten wohl die Wände? Starke Farbakzente oder doch lieber nur ein zeitloses Weiß?

Wohnzimmer ist nicht gleich Wohnzimmer und Online-Kurs ist nicht gleich Online-Kurs.

Okay, bevor ich mich zu sehr in dieser Analogie verliere, ersetze doch mal „Wohnzimmer“ durch „Lernraum“ und „Kunde“ durch „Seminarteilnehmer“. Bevor du einen (digitalen) Lernraum sinnvoll einrichten kannst, wirst du dir also ebenfalls jede Menge Fragen stellen:

  • Welches Vorwissen bringen die Teilnehmenden mit?
  • Welche Lernvorlieben haben sie?
  • Was sollen sie nach deinem Seminar wissen, können oder fühlen?
  • Wie sieht ihr Tagesablauf aus und wo könnten sie sich zwischendurch Lerninhalte aneignen?

Erst wenn du diese und viele weitere Fragen beantwortet hast, kannst du den Lernraum mit (digitalen) Lernformaten gestalten. Idealerweise wählst du die einzenen Elemente so, dass sie perfekt zusammenpassen.

Und genau das ist der Grund, warum ich von Lernraum Design spreche.

Was erwartet dich bei Lernraum Design?

Meine Mission

Ich möchte, dass du dich online genauso elegant und authentisch wie in einem Seminarraum bewegen kannst!

Deine Seminare werden nicht wegen des Themas, sondern wegen dir besucht! Es geht um deine Persönlichkeit und deine Art die Themen zu vermitteln. Damit du deine individuelle Note nicht in den Weiten des World Wide Webs verlierst, findest du in meinem Blog viele Infos, Anregungen und Tipps, um deinen Methodenkoffer Schritt für Schritt um digitale Elemente zu erweitern.

Ich möchte dir zeigen, wie du deine Lernräume neu designen kannst, insbesondere indem du das Beste aus der Offline-Welt mit dem Besten aus der Online-Welt gezielt kombinierst. Diese Kombi nennt sich übrigens Blended Learning.

Lernräume sind für Menschen da

Für manche ist es womöglich überraschend, aber beim digitalen Lernen steht nicht die Technik im Vordergrund. Im Gegenteil, in einem gut gestalteten digitalen Lernraum steht der Mensch im Mittelpunkt und alles ist auf ihn abgestimmt.

  • Damit meine ich deine Lernenden, denn es geht schließlich um ihren Lernprozess und ihren Lernerfolg.
  • Damit meine ich aber auch dich, denn du trägst einen großen Teil zum Lernprozess und zum Lernerfolg bei.

Der Lernraum muss auf deine Teilnehmenden und auf dich abgestimmt sein, und zwar so, dass er auch zum Lerninhalt und zum Kontext passt.

Die Blogkategorien im Überblick

Online-Kurse und Blended Learning

Hier stelle ich dir unterschiedliche Kurs-Modelle und Ausprägungen in Theorie und Praxis vor. Dabei gehe ich auch auf die Vor- und Nachteile für verschiedene Einsatzszenarien ein.
Lass dich von der Vielfalt an Möglichkeiten inspirieren und verschaffe dir einen Überblick, bevor du dich für eine Kurs-Variante entscheidest.

Digitale Lernformate und Methoden

Erklärvideos, Live-Online-Trainings, Webinare, Learning Nuggets, …

Keine Lust auf Buzzword-Bingo?
Das verstehe ich nur zu gut! Deshalb erfährst du in dieser Kategorie, was genau mit den digitalen Lernformaten gemeint ist, welche Methoden sich eignen und worauf es bei Umsetzung und Einsatz ankommt.

Hier geht es also um die einzelnen Bausteine, die du in einem Online-Kurs oder in einem Blended Learning nutzen kannst.

Tools

Die Technik ist nicht der Fokus des digitalen Lernens, doch ohne geht es natürlich auch nicht. Keine Sorge, es wird in dieser Kategorie nicht hochtechnisch und ich schau bei den Tools auch auf deinen Geldbeutel. Ich möchte dir vor allem leicht bedienbare Tools mit ihren Vor- und Nachteilen vorstellen. Du wirst sehen, dass man auch mit einfachen Mitteln unvergessliche Lernerlebnisse erzeugen kann.

Psychologie des Lernens

Diese Kategorie klingt vielleicht erst einmal etwas theoretisch, doch Hintergrundinfos rund ums Lernen sind wichtig, damit du deine Designentscheidungen begründet treffen kannst. Wir tauchen hier auch nur so tief in die Materie ein, wie du es für die Umsetzung deines Trainingsdesigns im digitalen Lernraum benötigst. Außerdem bekommst du hier auch immer gleich Tipps an die Hand, damit du die Theorie in der Praxis umsetzen kannst.

Strategische Umsetzung

Hier geht es darum, dass du deine Umstellung von analog auf digital zielgerichtet, durchdacht und ressourcenschonend umsetzen kannst.
Ich empfehle dir verschiedene Instrumente und Hilfsmittel für ein gelungenes Instructional Design im digitalen Lernraum.
Ich werde dir auch Anregungen geben, damit du in deinen Projekten von Anfang bis Ende einen klaren Kopf behältst und sie erfolgreich zum Abschluss bringst.

Wie geht’s weiter? Schritt für Schritt!

Als erfahrener Trainer fühlst du dich in einem Seminarraum vermutlich wie ein Fisch im Wasser. Aber erinnerst du dich auch noch an dein erstes Präsenztraining? Bestimmt warst du damals nicht so sicher wie heute und hast seither viele kleine Schritte in deiner Entwicklung gemacht.

Auf dem Weg zum digitalen Lernraum darfst du ebenfalls viele kleine Schritte machen. Nimm dir die Zeit für diese kleinen Schritte, denn so findest du am Besten raus, wer du als Trainer im digitalen Lernraum bist.

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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Avatar
    Iris Maaß

    Vielen Dank, Sandra, für diesen klar strukturierten Blog. Das Thema beschäftigt uns bei TÜV NORD CERT gerade auch sehr und für mich trifft diese Thematik genau ins Schwarze. Ich bin schon sehr gespannt, was ich hier alles von Dir über Lernraumdesign lernen kann.

    1. Sandra Schmid
      Sandra Schmid

      Sehr gerne, liebe Iris!
      Es freut mich, dass das Thema bei dir auf so großes Interesse stößt!:)
      Liebe Grüße
      Sandra

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