You are currently viewing Interaktives Lernen ist mehr als Gruppenarbeiten

Interaktives Lernen ist mehr als Gruppenarbeiten

Viele PräsenztrainerInnen, die auf Online-Lernangebote umsteigen, teilen einen großen Wunsch: Das Online-Lernen soll interaktiv sein! Doch was bedeutet eigentlich „interaktives Lernen“?

Die meisten Menschen verbinden damit die Interaktion zwischen Teilnehmenden und TrainerIn bzw. die Interaktion unter den Teilnehmenden, z.B. in Gruppenarbeiten. Neben der sozialen Interaktion gibt es noch weitere Interaktionsmöglichkeiten, die für das digitale und interaktive Lernen wichtig sind.

In diesem Blogartikel möchte ich das Thema Interaktion näher beleuchten und dir Tipps für die Umsetzung deiner digitalen Lernangebote mitgeben.

Was steckt im „interaktiven Lernen“?

Die Interaktion kommt aus dem Lateinischen und setzt sich aus inter „zwischen“ und actio „Tätigkeit“ oder „Handlung“ zusammen.

Interaktion finden wir in verschiedenen Fachrichtungen. In der Soziologie, Psychologie und Pädagogik spricht man von Interaktion, wenn mindestens zwei Personen wechselseitig, also aufeinander bezogen, handeln. In der Informatik wird unter Interaktion eine einseitige Handlung zwischen Mensch und Computer verstanden.

Beim interaktiven Lernen kommt den Lernenden eine aktive Rolle zu, sie können sich an den Aktivitäten beteiligen und sogar mitgestalten.

Interaktion…

… mit Menschen

Bei einer rein menschlichen Wechselbeziehung handelt es sich um soziale Interaktion.

Im Seminar oder Training haben wir zum einen die Interaktion zwischen TrainerIn und Teilnehmenden und zum anderen die Interaktion unter den Teilnehmenden.

Interaktives Lernen durch soziale Interaktion


Die Sozialform (Plenum, Gruppe, Partner, Einzeln), welche du für eine Trainingssequenz wählst, schafft die Bedingungen für Kommunikation. Sie organisiert die Beziehungen zwischen den Anwesenden, erlaubt unterschiedliche Aktionsformen und löst dadurch soziale Interaktionen aus.

Methodengrundformen im Überblick
Methodengrundformen im Überblick
(Euler, D. & Hahn, A. (2014). Wirtschaftsdidaktik (3. Aufl.). Bern.)

Interaktion zwischen TrainerIn und Teilnehmenden

Eine typische Interaktionsmöglichkeit zwischen TrainerIn und Teilnehmenden ist das sogenannte Lehrgespräch im Plenum, bei dem Fragen gestellt werden und die Teilnehmenden aktiv eingebunden werden.

Interaktion unter den Teilnehmenden

Kooperative Sozialformen mit PartnerIn oder in Gruppen ermöglichen soziales Lernen, zum Beispiel durch den Austausch zwischen den Teilnehmenden oder durch das gemeinsame Erarbeiten eines Inhalts.

Es gibt viele gute Gründe, warum wir soziales Lernen in Trainings gerne einsetzen, unter anderem diese:

  • Die aktive Teilnahme ermöglicht eine tiefere Wissensverarbeitung.
  • Die soziale Interaktion motiviert die Teilnehmenden.
  • In der Interaktion mit den anderen wird die Eigenwahrnehmung gefördert. Dies betrifft nicht nur die praktischen, sondern auch die emotionalen Kompetenzen.
  • Die Teilnehmenden lernen die individuellen Kompetenzen und Grenzen der anderen zu akzeptieren. Gerade wenn es um Selbst- und Sozialkompetenzen geht, sind kooperative Sozialformen hervorragend geeignet.
  • Die wechselseitige Akzeptanz sowie das Voneinanderlernen tragen zu einer positiven Lernatmosphäre bei.

Soziale Interaktion ist auch im Live-Online-Training möglich und sollte unbedingt in der Gestaltung berücksichtigt werden. Partner- und Gruppenaufgaben können zum Beispiel in Breakout-Räumen umgesetzt werden.

… mit Lernressourcen

Neben den beiden Formen der sozialen Interaktion gibt es eine dritte Interaktionsmöglichkeit in Lern-/Lehrsettings: die Lernressourcen.

Die Beschäftigung mit dem Lerngegenstand kann mit und ohne technologische Unterstützung stattfinden und ist in allen Sozialformen möglich.

Übrigens agierst auch du als TrainerIn mit den Lernressourcen. Zum Beispiel, wenn du sie auswählst oder eine Aufgabe stellst.

Aus TrainerIn, Teilnehmenden und Lernressourcen entsteht ein Interaktions-Dreieck, welches sowohl in der Präsenzveranstaltung als auch im Live-Online-Training die Grundlage des interaktiven Lernens bildet:

Interaktions-Dreieck

Ohne technologische Unterstützung

Ein Beispiel einer Interaktion ohne technologische Unterstützung ist das Lesen eines Textes. Auch die Bearbeitung einer Aufgabe in Einzelarbeit oder die Beschäftigung mit Materialien wie zum Beispiel Lego Serious Play zählt hierzu.

Im weitesten Sinne gehört auch der Raum dazu. Zum Beispiel, indem du den physischen Seminarraum methodisch einsetzt. Vielleicht hast du schon einmal die 4 Ecken des Raums genutzt oder eine Aufstellung nach Berufserfahrung machen lassen. In solchen Fällen nutzt du die Bewegung und die Interaktion im Raum zur Lernzielerreichung.

Interaktive Medien

Neben klassischen Medien (wie z.B. Texte und Arbeitsblätter) können auch interaktive Medien eingesetzt werden.

Ein interaktives Medium ermöglicht eine Interaktion im Lernprozess, d.h. das Medium reagiert auf die Aktionen des Lernenden.

Bei Selbstlernmedien kann das zum Beispiel ein Quiz sein, bei dem der Lernende direkt nach der Eingabe ein Feedback erhält. Es kann aber auch das Abspielen, Pausieren und Zurückspulen eines Erklärvideos sein, wodurch der Lernende die Wissensvermittlung an das eigene Tempo anpassen kann.

Während die Interaktionsmöglichkeiten in einem Video überschaubar sind, sind immersive Lernmedien wie Simulationen oder Serious Games (Lernspiele) hochgradig interaktiv und passen sich an die Handlungen an. Mit anderen Worten, interaktive (Selbstlern-)Medien sind unterschiedlich interaktiv.

Im Live-Online-Training kannst du bei Gruppenarbeiten Drittanwendung wie Padlet oder Google Dokumente einbinden. Auf diese Weise können die Arbeitsergebnisse in den Breakout-Räumen in zweifacher Hinsicht interaktiv festgehalten werden, denn hier findet sowohl die Interaktion mit den Mitlernenden als auch mit den Medien statt.

… mit Geräten

Der Begriff Interaktion wird auch in der Beziehung zwischen Mensch und Maschine verwendet. Um mit einem Gerät interagieren zu können, gibt es eine Benutzeroberfläche, welche für den Mensch möglichst intuitiv bedienbar sein sollte. Er muss verstehen, dass eine Interaktion möglich ist, wie er diese durchführen kann und ob er sie erfolgreich durchgeführt hat.

Nehmen wir zum Beispiel den Computer. Du kennst bestimmt Software, bei der man gefühlt erst einmal ein Studium braucht, um sie bedienen zu können. User Interface Designer und Interaction Designer beschäftigen sich mit der Gestaltung der Benutzeroberfläche, sodass eine intuitive Interaktion möglich ist. Die Benutzeroberfläche muss übrigens nicht visuell und per Klick oder Berührung bedienbar sein, sie kann zum Beispiel auch über ein „Hey Google“, also sprachgesteuert funktionieren.

Im Bereich der Selbstlernmedien spielen die Benutzeroberfläche und die dadurch ausgelöste Lernerfahrung eine große Rolle. Sie kann mitunter ausschlaggebend sein, ob ein Lernender dranbleibt oder die Lernsoftware frustriert wegklickt.

Auch im Live-Online-Training hat die Interaktion mit Geräten und Benutzeroberflächen eine große Bedeutung. Je nach Videokonferenzsoftware und anderen Tools, die du einsetzt, können die Teilnehmenden sie mehr oder weniger intuitiv bedienen. Die Interaktion mit dem Gerät bzw. den Oberflächen kann sich somit auf alle drei Ecken des Interaktions-Dreiecks auswirken.

Teilnehmende, die über einen Laptop teilnehmen, haben zum Beispiel einen größeren Bildschirm als diejenigen, die über ein Smartphone dabei sind. Womöglich haben letztere auch weniger Funktionen zur Verfügung. Sie sehen alles kleiner und können eventuell nicht an allen interaktiven Aufgaben wie Umfragen oder Kommentieren teilnehmen.

Tipps für interaktives Lernen im Live-Online-Training

Interaktives Lernen im Live-Online-Training kann über alle drei Ecken des Interaktions-Dreiecks erfolgen. Je mehr Abwechslung du bezüglich Sozialformen und Aktionsformen reinbringst, desto besser. Natürlich muss die Wahl immer zu den Rahmenbedingungen und den verfolgten Zielen passen.

Wichtig ist, dass du einige Besonderheiten im virtuellen Raum beachtest, und genau dafür möchte ich dir drei Tipps mitgeben.

Online ist mehr Interaktion angesagt

Das Sitzen vor dem Bildschirm ist anstrengend und wir lassen uns online viel schneller ablenken als offline. Aus diesem Grund sollte das Live-Online-Training noch interaktiver als eine Präsenzveranstaltung sein. Wichtig ist, dass du die Interaktionen zielgerichtet auswählst. Überlege dir also, wann ein Bewegungsspiel für mehr Energie und Fokus sinnvoll ist und wann es eher mentale Interaktionen in der Gruppe oder in Einzelarbeit benötigt.

Gestalte Inputphasen kurz und interaktiv

Wenn du dein Expertenwissen in Form eines Vortrags teilst, dann versuche ihn kurz zu halten. Binde deine Teilnehmenden immer wieder ein. Lass sie zwischendurch kurze Fragen im Chat beantworten und bitte sie um eine Rückmeldung über ein (virtuelles) Handzeichen oder ein Daumenfeedback. Wenn du deine Teilnehmenden in der Galerieansicht vor dir hast, kannst du auch Interaktionskärtchen nutzen. Der schöne Nebeneffekt ist, dass die Teilnehmenden ihre Kamera dadurch automatisch anschalten.

Interaktionskärtchen für interaktives Lernen

Stelle sicher, dass die Interaktion für alle möglich ist

Wie bereits erwähnt sind die Teilnehmenden immer auch in Interaktion mit dem Gerät und der Software des virtuellen Raums. Stelle sicher, dass sie Zugang zu den benötigten Tools haben, und führe sie an die Bedienung heran. Das darf gerne spielerisch geschehen, sodass die Technik in den Hintergrund rückt. Wenn ich zum Beispiel eine Drittanwendung wie Jamboard oder Padlet für eine Gruppenarbeit nutzen möchte, dann führe ich das Tool für gewöhnlich bereits in einer früheren Sequenz beiläufig ein.

Falls du lernen möchtest, wie du interaktive Live-Online-Trainings gestalten kannst, dann trage dich gerne unverbindlich auf meiner Warteliste ein. 

Ich sage dir sofort Bescheid, sobald ich einen neuen Durchgang anbiete.

Fazit

Interaktives Lernen geht über die soziale Interaktion mit den Mitlernenden und dem/der TrainerIn hinaus, denn auch die Beschäftigung mit Lernressourcen ist ein wichtiger Bestandteil. Diese können analog oder digital und interaktiv sein.

Bei digitalen Lernangeboten müssen wir immer berücksichtigen, dass die Teilnehmenden auch mit einem Gerät und einer Benutzeroberfläche interagieren. Daher ist es wichtig, dass der Zugang für alle gegeben ist und sie mit der Bedienung vertraut sind.

Erzähle mir in einem Kommentar, wie du interaktives Lernen in deinen Online-Lernsettings verwirklichst.

Sozialform schafft Bedingung für Interaktivität.
Interaktions-Dreieck

Schreibe einen Kommentar