Virtueller Hintergrund im Live-Online-Training – ja oder nein?

Virtueller Hintergrund im Live-Online-Training – ja oder nein?

In Webkonferenzen mit Zoom, MS Teams oder WebEx sieht man immer öfter Teilnehmende vor einer idyllischen Landschaft, in einem schicken Loft oder vor einem anderen ausgefallenen Hintergrund. Ein virtueller Hintergrund, der den realen überdeckt, macht diesen Effekt möglich.

Doch wie sinnvoll ist diese Funktion im Rahmen eines Live-Online-Trainings? Dieser Frage gehen wir in diesem Blogartikel nach.

Virtueller Hintergrund in Zoom

Vielleicht hast du schon einmal einen virtuellen Hintergrund ausprobiert. Falls nicht, dann kannst du das mit wenigen Klicks nachholen:

  • Öffne einen Zoom-Raum und klicke auf den kleinen Pfeil neben dem Symbol „Video starten“.
Virtueller Hintergrund in Zoom
  • Dort kannst du ein hinterlegtes Hintergrundbild oder -video einfügen. Rechts über das kleine Plus kannst du zudem individuelle Hintergründe hochladen.
Virtueller Hintergrund in Zoom hochladen

Weitere Infos und eine Sammlung mit Hintergründen findest du auf der entsprechenden Seite von Zoom.

Vor- und Nachteile eines virtuellen Hintergrunds

Die Frage, ob ein virtueller Hintergrund im Live-Online-Training sinnvoll ist, lässt sich nicht klar mit ja oder nein beantworten. Doch es gibt definitiv Vor- und Nachteile, die du kennen solltest. Auf dieser Basis kannst du entscheiden, ob und wie du diese Funktion nutzen möchtest.

Vorteile

Im Live-Online-Training ist ein ruhiger und aufgeräumter Hintergrund von großem Vorteil. Der Grund ist ganz einfach: je mehr hinter dir los ist, desto stärker wird die Aufmerksamkeit deiner Lernenden dorthin gezogen.

Für manche Teilnehmenden kann schon ein Bücherregal im Hintergrund eine Ablenkung darstellen. Ich gebe es zu, ich bin so eine Teilnehmerin. Wenn ich zum Beispiel in einer Videokonferenz Personen vor einem Bücherregal sehe, erwische ich mich immer wieder dabei, wie mein Blick von Buchrücken zu Buchrücken wandert. Und schwupp gehen mir Gedanken wie „Was liest denn die Person so?“ oder „Ah schau an, das Buch hab ich auch!“ durch den Kopf.

Ein virtueller Hintergrund kann also eine gute Lösung sein, wenn du keine Möglichkeit hast, Ruhe in den realen Hintergrund zu bringen. Du solltest dich dann natürlich nicht für ein buntes Wimmelbild entscheiden.

Schön sind vor allem die individuellen Bilder. Damit kannst du den Hintergrund ganz bewusst für dich „arbeiten“ lassen, ohne dass du erst die ganze Wohnung umräumen musst. Du kannst zum Beispiel Botschaften, Logos und Farben bewusst im Hintergrundbild platzieren. Insbesondere im Bereich des Marketings sind individuelle Hintergründe interessant, zum Beispiel in einem Webinar, mit dem du deine Online-Trainings bewirbst.

Nachteile

Während Logo und Botschaften im Hintergrund für das Marketing interessant sein können, haben sie in einem Lernsetting vermutlich wenig Mehrwert. Im Live-Online-Training soll die Aufmerksamkeit schließlich auf dem Inhalt und nicht auf dem Hintergrund liegen.

Der größte Nachteil eines virtuellen Hintergrunds ist, dass er immer nur so gut ist, wie der reale Hintergrund es zulässt. Am besten eignet sich eine einfarbige Fläche. Wenn du also Chaos überdecken möchtest, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der virtuelle Hintergrund sehr unnatürlich wirkt.

Wenn du Pech hast, wird dir nicht nur deine Frisur platt gedrückt, sondern es werden dir sogar ganze Körperteile weggeschnitten. Gerade wenn du gestikulierst oder Gegenstände vor der Kamera zeigst, kann es passieren, dass deine Hände wie „ausradiert“ wirken. Da ich sehr gerne das Daumenfeedback nutze und dabei meine Hand vor der Kamera bewege, kommt es bei einem virtuellen Hintergrund schnell zu visuellen “Amputationen”.

Die Tücken des virtuellen Hintergrunds

Ich halte gerne meine Hände oder Gegenstände in die Kamera und finde die verzerrte Wahrnehmung daher sehr befremdlich. Aus diesen Gründen nutze ich virtuelle Hintergründe nicht dauerhaft im Live-Online-Training.

Ich verstehe natürlich durchaus, dass man je nach Wohnsituation die eigene Privatsphäre schützen möchte und daher virtuelle Hintergründe einsetzt. Das kann jedoch auch den Eindruck erwecken, dass man etwas verstecken möchte, was wiederum für eine vertrauensvolle Lernatmosphäre nachteilig sein kann. Mir ist es wichtig, dass online soziale Nähe entsteht und dazu gehört für mich auch, einen kleinen Einblick in mein Zuhause zu geben. Ich weiß, ich weiß, ich habe leicht reden, denn ich habe den Raum und die Möglichkeit einen ruhigen Hintergrund zu gestalten, der keinen Einblick in mein Privatleben bietet.

Falls das bei dir nicht der Fall ist, kannst du als Alternative zum virtuellen Hintergrund über einen großen realen Gegenstand zum Verdecken nachdenken. Das kann zum Beispiel ein Paravent, ein Roll-up oder eine Metaplanwand sein. Letzteres kannst du zudem methodisch in dein Live-Online-Training integrieren.

Virtueller Hintergrund mit Greenscreen-Technik

Wenn dich die Möglichkeiten der virtuellen Hintergründe begeistern und du diese öfters einsetzen möchtest, dann lohnt es sich über einen echten Greenscreen nachzudenken. Hierfür platzierst du dich vor einer grünen Fläche, wodurch du viel präziser ausgeschnitten und somit sehr viel natürlicher vor einem virtuellen Hintergrund wirkst.

Bei Zoom kannst du die Greenscreen-Technik übrigens bei der Einstellung des virtuellen Hintergrunds über ein Häkchen aktivieren.

Drei Ideen, wie du deinen realen Hintergrund in Grün tauchen kannst, findest du im Blogartikel „Der Greenscreen – So klappt’s mit dem virtuellen Zoom Hintergrund“ von Annika Burkholz.

Methodischer Einsatz

Wenngleich ich einen virtuellen Hintergrund im Live-Online-Training nicht als Dauerhintergrund nutze, mag ich den gezielten und methodischen Einsatz. Ich finde die Funktion zum Beispiel großartig, damit die Teilnehmenden einander besser kennenlernen können. Ich habe dir zwei Beispiele als Anregung mitgebracht:

Mein letzter Urlaub

Lade deine Teilnehmenden ein, ein Foto vom letzten Urlaub als Hintergrundbild hochzuladen. Während der Vorstellungsrunde können sie nicht nur die Hard Facts zu ihrer Person aufzählen, sondern die Gruppe zudem an einer Anekdote aus dem letzten Urlaub teilhaben lassen.

Mein Lieblingsfilm

Um die Stimmung aufzulockern, kannst du ein kleines Quiz einschieben. Bitte deine Teilnehmenden ein Bild aus ihrem Lieblingsfilm als Hintergrundbild hochzuladen. Alle anderen dürfen raten, um welchen Film es sich handelt und dabei Punkte sammeln. Am Ende gibt es nicht nur eine Siegerehrung, sondern zudem viele persönliche Anknüpfungspunkte in der Gruppe.

Fazit

Virtuelle Hintergründe sind eine lustige Abwechslung zum immer gleichen Hintergrund. Wer diese Funktion nutzen möchte, um private Einblicke zu verhindern, sollte besser auf einen grünen Hintergrund (Greenscreen) setzen, damit es zu keinen abgeschnittenen Gliedmaßen kommt.

Virtuelle Hintergründe lassen sich zudem methodisch einsetzen, zum Beispiel um das Kennenlernen der Gruppe auf einer persönlichen Ebene zu fördern.

Jetzt bin ich gespannt auf dein persönliches Fazit! Findest du virtuelle Hintergründe im Live-Online-Training sinnvoll? Verrat es mir in einem Kommentar.

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Avatar
    Cornelia

    Vielen Dank für deine Ausführungen, liebe Sandra. Bin ganz deiner Meinung und finde auch, dass der Einsatz der virtuellen Hintergründe gezielt und zurückhaltend eingesetzt werden sollte. Lieber investiere ich meine Zeit für den attraktiven Inhalt und ein ansprechendes Workbook,, denn für die Verpackung. Auch ist es erschwert mit meinen grauen Haaren, trotz Green Screen und guter Ausleuchtung.

    1. Sandra Schmid
      Sandra Schmid

      Danke für deine Meinung, liebe Cornelia! Oh ja, je nach Kombination von Haarfarbe, Kleidung und Hintergrund können amüsante Szenen entstehen 😄
      Liebe Grüße
      Sandra

  2. Avatar
    Johannes

    Ich habe mir im Baumarkt eine dünne (4mm) Platte besorgt die auf der einen Seite weiß beschichtet und auf der anderen Seite Holzfarben war. Im Baumarkt eine Fertigmischung giftgrüner Farbe besorgt und Holzseite mit Rolle angemalt. Hat den Vorteil dass 1. Keine Reflektionen entstehen und 2. die Fläche keine Falten oder Wellen aufweist die zu Darstellungsproblemen führen können.

    1. Sandra Schmid
      Sandra Schmid

      Ein toller Tipp! Vielen Dank, Johannes! 😀

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