Tools -  0 Kommentare  -  13. Mai 2024


Toolifizierung: Auf der Suche nach dem besten Lerntool

Ob es um Lernvideos, E-Learnings, Lernplattformen oder Quizze geht, die „Toolfrage“ kommt eher früher als später auf. Einige suchen nach dem besten Lerntool, während andere eine Liste mit alternativen Tools für denselben Anwendungsfall erwarten.

Seit unüberschaubar viele KI-Tools den Markt überschwemmen, stellt sich die Frage nach geeigneten Tools auch in diesem Zusammenhang. Auf welches KI-Tool soll man denn nun in der betrieblichen Aus- und Weiterbildung setzen?

In diesem Blogartikel teile ich mit dir meine Gedanken zur Auswahl von Tools. Außerdem werde ich dir erzählen, wie ich mit KI-Tools umgehe und was ich dir empfehle, wenn du auf der Suche nach einem neuen Tool bist.

Was ist das beste Tool für dich?

Wenn du mich nach einem guten (oder sogar dem besten) Tool für [setze hier irgendein Thema ein] fragst, dann lautet meine Antwort für gewöhnlich: „Das kommt darauf an!“

Das ist wahrscheinlich nicht die Antwort, auf die du gehofft hast. Es wäre jedoch unseriös, wenn ich dir ohne den nötigen Kontext ein bestimmtes Tool empfehlen würde.

In einem Mentoring-Prozess würde ich zuerst viele Gegenfragen stellen, um zu verstehen, wofür du das Tool brauchst, und welche Rahmenbedingungen vorliegen. Die Antworten helfen Klarheit zu gewinnen und diese wiederum ist essenziell, um ein passendes Tool auszuwählen.

Angenommen du möchtest ein Tool, um E-Learnings zu erstellen, dann würde ich dir zum Beispiel diese Fragen stellen:

  • Zielsetzung: Was möchtest du mit dem Tool erreichen? Inwiefern soll es deine Arbeit erleichtern oder verbessern?
  • Funktionalitäten: Welche spezifischen Funktionen benötigst du?
  • Benutzerfreundlichkeit: Wie oft wirst du das Tool nutzen? Wie viel Einarbeitungszeit möchtest du investieren?
  • Kollaborationsmöglichkeiten: Möchtest du mit anderen Personen am selben Projekt arbeiten?
  • Support & Wartung: Möchtest du eine Schulung, um den Umgang mit dem Tool zu erlernen? Wie wichtig ist es dir, eine Ansprechperson bei technischen Problemen zu haben?
  • Integration: Soll das Tool in die bestehende IT-Infrastruktur integriert werden? Möchtest du nachverfolgen, wie deine Zielgruppe mit dem erstellten Lerninhalt umgeht? (Z. B. wie gut eine Person bei einem Quiz abgeschnitten hat)
  • Kosten: Welches Budget steht zur Verfügung?
  • Datensicherheit & Datenschutz: Wie sensibel sind die Daten, die du im Tool verarbeiten möchtest? (Z. B. vertrauliche Unternehmensinformationen oder personenbezogene Daten)
  • IT-Anforderungen: Gibt es IT-Anforderungen von deinem Unternehmen? (Z. B. keine Cloudlösungen oder nur Single Sign On)

Falls du gerade ein E-Learning-Tool (oder auch ein anderes Lerntool) suchst, dann kannst du diese Fragen einmal für dich beantworten. Das sollte dir helfen, Klarheit zu gewinnen. Und Klarheit ist die Voraussetzung für eine gute Auswahl.

Wie viele Tools brauchst du wirklich?

Wenn du mich schon etwas länger kennst, dann weißt du, dass ich gerne neue (Lern-)Tools ausprobiere. Es macht mir Spaß und gehört für mich dazu, um als Expertin für digitales Lernen auf dem Laufenden zu bleiben. Im täglichen Einsatz habe ich jedoch nur wenige Tools und das möchte ich dir auch empfehlen.

Tools sind Werkzeuge, die dir bei einer Aufgabe helfen sollen. Für ein und dieselbe Aufgabe brauchst du nur ein möglichst passendes Tool und nicht etwa mehrere Alternativen. Oder wie viele Hämmer benötigst du in einem Werkzeugkasten?

Bei Tools gilt definitiv, weniger ist mehr.

Ich erlebe es jedoch immer wieder, dass Learning Professionals nach einem neuen Tool suchen, weil sie sich dadurch bessere Lerninhalte erhoffen.

Toolifizierung, der übermäßige und unreflektierte Einsatz von Tools, ist jedoch nicht die Lösung, denn ein neues Tool führt nicht automatisch zu einer besseren Qualität.

Ganz ehrlich, die Qualität eines Lerninhalts hängt selten vom Tool ab. Es ist lediglich ein Werkzeug, das dich bei einer Aufgabe unterstützen soll. Wahre Qualität entsteht, wenn du den Lernbedarf, die Zielgruppe und die Rahmenbedingungen genau analysierst und daraufhin ein Konzept entwickelst, das auf den Lernwissenschaften basiert.

Wenn du dich ausschließlich auf deine Tools verlässt, dann ist das in etwa so, wie wenn ein Künstlerin unzählige Pinsel besitzt, aber keine Ahnung von Maltechniken hat. Das Gemälde wird nicht überzeugen. Wenn sie hingegen nur einen Pinsel hat und genau weiß, wie sie diesen vielfältig einsetzen kann, dann entsteht damit ein Meisterwerk.

Und das führt uns zu zwei grundlegenden Fragen:

  1. Brauchst du überhaupt ein neues Tool?
  2. Und wenn ja, kannst du es richtig verwenden?

Wie gut kennst du deine Tools?

Kommen wir noch einmal auf die Künstlerin zurück. Sie kann mit einem einzigen Pinsel vielfältige Effekte erzielen:

  • sanfte Übergänge, indem sie den Druck und die Feuchtigkeit des Pinsels anpasst;
  • präzise Linien und scharfe Konturen, indem sie den Pinsel langsam und kontinuierlich über die Leinwand führt;
  • Texturen, indem sie tupfende Bewegungen ausführt;
  • Kleckse, indem sie vorsichtig Farbe vom Pinsel tropfen lässt;

Hast du dich schon einmal intensiv mit deinen Pinseln – ich meine Tools – auseinandergesetzt?

Es ist sicherlich nicht nötig, dass du jedes Tool bis ins letzte Detail kennst, aber bevor du eine neue Software suchst, schau erst einmal, ob du die gewünschte Funktion bereits über eines deiner vorhandenen Tools abdecken kannst. Oftmals nutzen wir nur einen Bruchteil der Möglichkeiten der Tools, die wir regelmäßig verwenden.

Nehmen wir zum Beispiel Word oder PowerPoint. Viele von uns nutzen diese Hilfsmittel täglich, und doch gibt es zahlreiche Funktionen, die du vielleicht noch nicht entdeckt hast. (Ich übrigens auch nicht.)

  • Wusstest du zum Beispiel, dass du in Word Videos auf Knopfdruck transkribieren lassen kannst?
  • Oder dass du mit PowerPoint GIFs erstellen kannst?

Indem du dich mit deinen vorhandenen Tools und ihren teils versteckten Funktionen auseinandersetzt, maximierst du den Nutzen weit über das hinaus, was ein bloßes Tool-Sammelsurium bieten könnte. Zudem sparst du Geld und Einarbeitungszeit, schließlich kennst du die Benutzeroberfläche und die Grundfunktionen bereits.

Vorsicht Toolfalle generative KI

Und obwohl ich das alles weiß, bin ich beim Eintauchen in die Möglichkeiten der generativen Künstlichen Intelligenz selbst in die Toolfalle getappt. Aber so richtig!

Ich sammelte über Monate unzählige Toolnamen und Links, versuchte diese zu kategorisieren und probierte ein Tool nach dem anderen aus.

Ich wollte mir einen umfassenden Überblick verschaffen und die besten KI-Tools finden, doch letztlich ist das Gegenteil passiert: Ich hatte mich im KI-Tool-Dschungel verirrt …

Auf der Suche nach dem perfekten Lerntool habe ich mich im KI-Tool-Dschungel verirrt.

Sicherheit durch Vertrautheit

Warum bin ich bei Themen wie Lernvideos oder E-Learnings völlig entspannt und rational unterwegs, während ich im Falle von KI-Tools eher kopflos reagiere?

Ich denke, das liegt daran, dass ich mit dem einen Themenfeld vertraut bin und mit dem anderen nicht.

Während ich anfangs meine Sammelleidenschaft für KI-Tools mit Neugier erklärte, sehe ich heute auch einen Ausdruck meiner Unsicherheit und Überforderung darin. Bereits bei meinem ersten Kontakt mit generativer KI wurde mir schnell klar, dass sich diese Technologie nicht nur rasant weiterentwickelt, sondern auch meine Rolle als Lerndesignerin und Content-Erstellerin grundlegend verändern wird. Daher überrascht es kaum, dass ich mich verunsichert und überwältigt fühlte.

Um mir in diesem neuen Bereich Sicherheit zu verschaffen, begann ich also, möglichst viele Tools zu sammeln und zu kategorisieren.

Fühle ich mich jetzt sicherer im Umgang mit generativer KI?

Ja, denn ich habe ein Gefühl für die Stärken und Grenzen entwickelt. Und vor allem habe ich verstanden, dass es letztlich wie mit jedem anderen Tool für E-Learnings, Videos oder Quizze ist: Ich habe die falschen Fragen gestellt.

Es geht nicht darum, das beste Tool für Videoavatare oder synthetische Stimmen zu finden. Vielmehr ist es wichtig, dass ich herausfinde, wie ich die neuen Möglichkeiten sinnvoll fürs Lernen einsetzen kann und ob sie meine Arbeitsprozesse zum Positiven verändern – sei es durch schnellere Prozesse, bessere Qualität oder geringere Kosten.

Wie kannst du dich generativer KI annähern?

Vielleicht fragst du dich, wie du den Einstieg in die generative KI findest, ohne dich im Tool-Dschungel zu verirren. Ich schlage eine Annäherung in drei Schritten vor:

  1. Experimentieren
  2. Bewerten
  3. Integrieren

Experimentieren

Ich denke nach wie vor, dass es wichtig ist, verschiedene Tools auszuprobieren. Wie sonst sollen wir ein Gefühl für generative KI, ihre Stärken und Schwächen bekommen?

Ich empfehle dir, dass du hierfür kleine Experimente durchführst, und zwar entlang echter Arbeitsaufgaben. Warum? Weil du es so leichter schaffst, über die Experimente hinaus zu kommen und die neuen Möglichkeiten produktiv einzusetzen. Andernfalls besteht die Gefahr, dass du im Experimentierstadium stecken bleibst. Das Experimentieren macht zwar Spaß, bringt dich jedoch ohne konkreten Anwendungsbezug nicht oder nur sehr langsam weiter.

Mir hat es geholfen, den Prozess rund um ein Lernangebot, z.B. Online-Seminar oder E-Learning, in Phasen und kleinere Arbeitsschritte zu zerlegen: Analyse, Konzeption, Umsetzung bzw. Medienerstellung, Durchführung, Evaluation und den damit verbundenen kleineren Aufgaben. An diesen Einzelaufgaben habe ich dann meine Experimente durchgeführt.

Wenn du also zum Beispiel Online-Seminare gibst, dann beschäftige dich nicht damit, wie du mit ChatGPT Content für Instagram und TikTok erstellen kannst. Damit erschwerst du dir den Transfer auf deine Online-Seminare. Konzentriere dich lieber darauf, wie du mit ChatGPT Lernziele definieren oder Übungen für Gruppenarbeiten konzipieren kannst.

Bewerten

Nun gilt es, die durchgeführten Experimente zu bewerten, sowohl für dich persönlich als auch in Bezug auf das Unternehmen, für das du arbeitest.

Für dich persönlich bedeutet, dass du bewertest, ob und wie dich diese Herangehensweise bei deiner Arbeit unterstützen kann. Wo siehst du Anwendungsfälle und Potentiale?

Unternehmensbezogen bedeutet, das zunächst einmal klären solltest, ob und wie du das neue Tool einsetzen darfst und welche Richtlinien dabei zu beachten sind.

Die oben aufgeführten Fragen zur Toolauswahl können dich auch bei der Bewertung unterstützen.

Integrieren

Im letzten Schritt geht es darum, die KI in deinen Arbeitsalltag zu integrieren und herauszufinden, wie die Mensch-Maschinen-Interaktion aussehen kann.

Die Integration startet, sobald du weißt, welches KI-Tool du wie für bestimmte Arbeitsschritte verwenden kannst und, von deinem Unternehmen aus auch darfst. Nun kannst du beginnen, deine Arbeitsprozesse nach und nach anzupassen und zu optimieren.

Komm in die KI-Experimentierwerkstatt

Falls du diese Schritte nicht alleine gehen möchtest, dann komm in die KI-Experimentierwerkstatt. In den Online-Workshops leite ich dich durch einen strukturierten Prozess. Zusammen mit mir und anderen Learning Professionals kannst du dabei jede Menge Experimente rund um die Gestaltung digitaler Lernangebote durchführen.

Die KI-Experimentierwerkstatt

KI-Experimentierwerkstatt

Live-Online-Workshops für Learning Professionals, die lernen wollen, wie sie mit KI digitale Lernangebote schneller, günstiger und wirksamer gestalten können.

Wir starten am 27.05.2024.

Tool-FOMO

Wenn du den drei Schritten „Experimentieren“, „Bewerten“ und „Integrieren“ folgst und von deinen aktuellen Arbeitsprozessen ausgehst, wirst du vermutlich bald feststellen, dass du noch nicht einmal eine Handvoll Tools brauchst.

Klar, die Toollandschaft entwickelt sich schnell weiter, dennoch solltest du nicht für immer und ewig mit noch einem Tool und noch einem Tool experimentieren.

Wenn du dennoch FOMO (= Fear of Missing out / Angst, etwas zu verpassen) verspürst, dann folge Personen, die häufig Tools (fürs Lernen) testen. Sollte etwas Interessantes dabei sein, werden sie sicherlich darüber berichten. Du kannst auch gerne meinen Newsletter abonnieren und mir auf LinkedIn folgen, damit dir keiner meiner Tool-Tipps rund um die Gestaltung von Lernräumen entgeht.

Fazit

Es gibt nicht das perfekte Tool, aber sicherlich eines, das zu deinen Bedürfnissen und Rahmenbedingungen passt. Indem du verschiedene Fragen zu deinen Anforderungen beantwortest, stehen die Chancen gut, dass du ein Tool findest, mit dem du gut und gerne arbeitest. Und wer weiß, vielleicht entdeckst du die gewünschten Funktionen sogar in einem Tool, das du bereits besitzt.

Doch selbst ein Tool, das perfekt zu deinen Anforderungen passt, ist letztlich nur ein Hilfsmittel und kein Ersatz für gutes Lerndesign.

Das trifft auch auf KI-Tools zu. Um den Umgang damit zu lernen, kannst du Experimente entlang echter Arbeitsaufgaben rund um die Konzeption und Umsetzung von Lernangeboten durchführen. Auf diese Weise kannst du das Erlernte schnell in der Praxis anwenden.

Möchtest du den Weg in die KI-Tool-Welt nicht alleine gehen? Dann schließe dich einer kleinen Gruppe von Learning Professionals an und nimm an der KI-Experimentierwerkstatt teil.


Zu diesem Blogartikel hat mich Nele Hirsch mit ihrem Aufruf zur Blogparade „KI-Bedenken“ angeregt.


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