Letzte Woche entfachte eine hitzige Diskussion unter Instructional Designer*innen und E-Learning-Entwickler*innen auf LinkedIn. Der Auslöser waren die Neuerungen in den E-Learning-Tools von Articulate.
Das Fazit war an vielen Stellen ähnlich: Articulate entwickle Tools nicht mehr für Learning Professionals. Mit dem neuen Produkt Frontline wolle das Unternehmen genau diese Menschen überflüssig machen, die bisher mit ihren E-Learning-Autorentools Storyline oder Rise Lerninhalte erstellt haben.
Als Expertin für digitales Lernen, die unter anderem mit diesen Tools arbeitet, kann ich die kritischen Stimmen nachvollziehen. Dennoch sehe ich die Entwicklung anders, denn aus Unternehmensperspektive ergibt die neue strategische Richtung Sinn. Es handelt sich dabei um einen sogenannten Expert-generated-Content-Ansatz. Einen Ansatz, den ich L&D-Teams schon seit vielen Jahren nahelege.
In diesem Artikel möchte ich dich dazu einladen, die Perspektive zu wechseln und diese Veränderungen aus Sicht von Unternehmen und Mitarbeitenden zu betrachten. Hierfür gebe ich dir zuerst einen Einblick in die Articulate-Neuerungen, ordne dir diese aus meiner Perspektive ein und erkläre dir, warum der Ansatz für Unternehmen wertvoll ist.
Was Articulate bei Articuland vorgestellt hat
Neue Ausrichtung: Von der Learning Creation Platform zur Learning Intelligence Platform
In der Keynote vom 11.9.2026 „The Future of Workplace Training“ stellte Articulate auf seinem Event Articuland die neue Ausrichtung vor: von einer Learning Creation Platform zu einer Learning Intelligence Platform.
Während Expert*innen, die mit den Autorentools Storyline und Rise arbeiten, vermutlich auf lang ersehnte Verbesserungen hofften, lag der Fokus auf einem völlig neuen Produkt: Frontline. Und dieses Produkt richtet sich an eine andere Zielgruppe: Fachexpertinnen und Fachexperten.
Ich selbst habe die neuen Funktionen noch nicht getestet und kann dir daher nur wiedergeben, was die Demo verspricht. Damit du es dir besser vorstellen kannst, füge ich dir Screenshots aus der Keynote ein.
Zentraler Zugang und neue Formate
Über einen zentralen Einstieg in die Plattform können nicht mehr nur traditionelle E-Learning-Kurse erstellt werden, sondern auch neue Content-Formate:
- Schritt-für-Schritt-Anleitungen: für konkrete Aufgaben, zum Beispiel, um durch ein Tool zu führen
- Interaktive Videos: Videos mit Kapiteln und integrierten Quizzen, zum Beispiel auf Basis einer Aufzeichnung eines Trainings in MS Teams
- Szenarien: Dialogübungen für realistische Situationen, um kritische Gespräche zu simulieren
- Präsentationsfolien: für Live-Veranstaltungen



Zahlreiche Workflow-Optimierungen
Gut gefallen mir die Verbesserungen für die Zusammenarbeit in Teams und Organisationen. Sie ermöglichen einen besseren Überblick und sorgen dafür, dass unternehmensweit Standards eingehalten werden können.
Dazu gehören:
- Überblick über den Status von Lerninhalten (Entwurf, veröffentlicht)
- Branding-Standards lassen sich global für alle neuen und bestehenden Kurse hinterlegen
- Öffnung der Plattform durch Integration anderer Arbeitstools (OneDrive, Google Drive, Copilot)
- Analytics: unter anderem, um Lerninhalte zu verbessern, indem Lücken identifiziert werden können
- Übersetzungen auf Knopfdruck
- Vereinfachte Veröffentlichung im LMS durch direkte Anbindung an ein LMS (aktuell steht nur Thinkific zur Auswahl). Dadurch werden Inhalte automatisch aktualisiert und müssen nicht als SCORM ex- bzw. importiert werden.
Nova: die integrierte KI
Nova ist Articulates integrierter KI-Agent für die Erstellung und Pflege von Lerninhalten. Nova soll auf mehr als 20 Jahren Erfahrung mit Lernwissenschaft und professionellem Instructional Design aufbauen.
Sie ist kein eigenständiges klassisches Autorentool und auch nicht einfach nur ein Chatbot. Nova steckt tief in den Articulate-Produkten und unterstützt dort komplexe Arbeitsabläufe.
Vereinfacht gesagt funktioniert Nova so: Du gibst der KI eine Anweisung und etwas Kontext. Nova macht daraus passende Lernmaterialien, übersetzt sie, aktualisiert sie und hilft, ihre Nutzung auszuwerten.
Wie gut funktioniert das in der Praxis?
Auf den ersten Blick klingen die Neuerungen sinnvoll und schlüssig. In der Praxis wird sich zeigen müssen, wie gut die KI Lernmedien gestalten kann.
Hinzu kommt, dass aktuell einige Unternehmen Vorbehalte haben, eine solche KI-Nutzung uneingeschränkt zu erlauben.
Ich kann mir auch gut vorstellen, dass in einigen Unternehmen Betriebsrat und Datenschutzbeauftragte Einwände in Bezug auf die Analysemöglichkeiten haben könnten.
Zudem ist unklar, ob die europäischen Regelungen in Bezug auf die KI-Kennzeichnungspflicht im Tool erfüllt werden. In der Demo wurde zum Beispiel auf Basis eines Fotos des CEOs ein KI-Avatar-Video generiert. Eine entsprechende Kennzeichnung konnte ich hier nicht sehen.
3 Perspektiven auf die neuen Articulate-Produkte
Lass uns davon ausgehen, dass wir die neuen Funktionen in vollem Umfang nutzen können. Schauen wir uns die Möglichkeiten aus drei Perspektiven genauer an:
- Learning Professional
- Fachexpertin
- Lernerin
E-Learning-Erstellung aus Perspektive eines Learning Professionals
Als Learning Professional gebe ich ein, was mir vorschwebt, und lade passende Basisdokumente von meinem OneDrive hoch.

Die integrierte KI übernimmt nun die methodisch-didaktische Arbeit: Sie macht einen Vorschlag bezüglich Kursdauer, Lernziele, Kursstruktur und so weiter.


Als Learning Professional kann ich weiterhin alles verändern und anpassen, so dass am Ende ein Rise-Kurs nach meinen Vorstellungen entsteht.

Der fertige Kurs kann auf Knopfdruck in andere Sprachen verfügbar gemacht werden.

Im veröffentlichten Kurs können die Lernenden zudem den integrierten KI-Tutor nutzen, und sich beim Lernen unterstützen lassen.

Perspektive einer Fachexpertin
Die bisherige Produktpalette wird nun um Frontline erweitert.
Das Tool ist ohne Articulate Lizenz nutzbar und wird über Credits abgerechnet. Obwohl es separat durch Fachexpert*innen genutzt werden kann, befinden sich die Inhalte im selben System wie die Inhalte der Learning Professionals, was die Verwaltung und Pflege der Lernmedien erheblich vereinfacht. Aus diesem Grund ist auch schon das Corporate Design zentral hinterlegt.
Als Fachexpertin kann ich mich in Frontline einloggen. Auf einer übersichtlichen Oberfläche kann ich über OneDrive Dokumente hochladen und der KI sagen, was ich benötige. Anstatt es L&D zu sagen, sage ich es nun also Nova.

Die integrierte KI Nova macht nun Vorschläge für Lernmaterialien, die ich prüfen und anpassen kann.

Um Hürden zu reduzieren, kann ich die neuen Lerninhalte einfach über einen Link dort teilen, wo meine Zielgruppen sich ohnehin befinden. Ich muss also nicht erst den Weg über ein LMS gehen, sondern kann den Link in MS Teams posten.
Wenn ich ein Update am Inhalt vornehme, ist dieser automatisch bei den Lernenden aktualisiert.

Über das Analyse-Dashboard sehe ich, wie meine Inhalte genutzt werden und bekomme Einsichten, wie ich sie noch verbessern könnte.

Perspektive einer Lernerin
Neben dem bereits erwähnten AI-Tutor, der mir als Lernerin in den Kursen zur Seite steht, kann ich Inhalte auch individuell an meine Situation angepasst erzeugen.
Angenommen, ich habe bereits ein E-Learning durchgearbeitet, brauchen aber jetzt vor einer Anwendungssituation noch einmal einen Refresher. Dann muss ich nicht zurück in den Kurs und die entsprechende Stelle heraussuchen.
Ich kann mich jetzt auf mein nächstes Kundengespräch vorbereiten, indem ich in Copilot die entsprechenden Kontextdateien von OneDrive hochlade und sage, was ich einüben möchte.

Auf der Basis der bereits erstellten Articulate-Inhalte und der realen Kundeninformationen werden mir nur relevante Lernressourcen angezeigt.
Und es ist sogar möglich, dass ich mir ein Rollenspiel erstellen lasse, welches auf meine individuelle Situation zugeschnitten ist. Dabei kann ich mein virtuelles Gegenüber hören. Anstatt aus vorgegebenen und geskripteten Antwortmöglichkeiten auszuwählen, kann ich per Spracheingabe wie bei einem echten Gespräch antworten.

Genau das ist Lernen im Bedarfsmoment, mitten im Arbeitsprozess, da wo es gebraucht wird. Das ist großartig, denn das ist doch genau das, was wir uns für eine bessere Transferwirksamkeit unserer Lernangebote wünschen.
Warum die kritischen Reaktionen nachvollziehbar sind
Die Reaktionen auf LinkedIn sind nicht aus der Luft gegriffen, denn wer bisher mit den Autorentools von Articulate gearbeitet hat, sieht eine klare Verschiebung im Fokus.
Während ein paar Neuerungen in Rise vorgestellt wurden, wurde Storyline in der Keynote überhaupt nicht berücksichtigt.
Für Menschen, die vor allem mit Storyline arbeiten und sich über viele Jahre in der Articulate-Community engagiert haben, fühlt sich das befremdlich an.
Storyline war für viele E-Learning-Entwickler*innen das zentrale Werkzeug. Sie haben sich Wissen über Layer, Trigger, Variablen und Zustände erarbeitet. Damit haben sie interaktive Szenarien, Übungen und multimediale Lernerlebnisse gebaut.
Wenn dieses Produkt in einer Keynote keine sichtbare Rolle mehr spielt, entstehen Fragen:
- Welche Zukunft hat Storyline?
- Wird das Produkt überhaupt weiterentwickelt?
- Werden die Fähigkeiten, die sich viele über Jahre aufgebaut haben, künftig noch gebraucht?
- Was bedeutet Frontline für Menschen, die bisher Lerninhalte mit Storyline erstellt haben?
Aus diesen Fragen entstand in Teilen der Community die zugespitzte Befürchtung: Articulate will Instructional Designer*innen mit Frontline abschaffen.
Wenn Fachexpert*innen mit wenigen Eingaben eigene Lerninhalte erstellen können, welche Aufgaben bleiben dann für Lerndesigner*innen und E-Learning-Entwickler*innen?
Diese Frage verdient eine ernsthafte Antwort. Ich halte es aber für falsch, die gesamte Entwicklung an Articulate festzumachen.
Meine Einordnung: Die Entwicklung ist viel größer als Articulate
Eine (technologische) Entwicklung, die schon lange läuft
Articulate reagiert auf eine Entwicklung, die längst um uns herum stattfindet.
Die zunehmende Dynamik innerhalb und außerhalb von Unternehmen lässt den Lernbedarf in Organisationen kontinuierlich steigen:
- Technologien entwickeln sich rasant
- Märkte verändern sich
- Prozesse werden angepasst
- neue Software kommt hinzu
- Produkte, Vorschriften und Arbeitsweisen ändern sich in kürzeren Abständen
L&D ist häufig ein Nadelöhr

L&D kann nicht jeden einzelnen Bedarf zentral produzieren und aktualisieren. Wenn eine Fachabteilung sechs Monate auf ein Training warten muss, hilft ihr das im Alltag nicht weiter. Und wenn L&D keine schnelle Unterstützung anbieten kann, hilft sich die Fachabteilung oft selbst.
Dann entstehen Inhalte ohne abgestimmte Qualitätskriterien, ohne klare Zuständigkeit und ohne Prozess für spätere Aktualisierungen. Das Ergebnis kann gut sein, doch letztlich ist es dem Zufall überlassen.
Frontline löst ein echtes Organisations-Problem
Articulate setzt mit Frontline beim Nadelöhr L&D an: Menschen in den Fachbereichen sollen ihre Lerninhalte in einem L&D-gestalteten Rahmen selbst erstellen und schneller mit anderen teilen können. Articulate spricht dabei unter anderem Teams aus Vertrieb, Kundenservice, Produktbereichen und Compliance an.
Ich verstehe, dass das von manchen als Angriff auf die bisherige Arbeit von uns Learning Professionals verstanden wird. Aber ich sehe darin zunächst eine Antwort auf ein echtes Problem: In vielen Organisationen entstehen mehr Lern- und Unterstützungsbedarfe, als ein zentrales L&D-Team abdecken kann und sollte.
Die Frage lautet deshalb nicht, ob Fachexpert*innen Lerninhalte erstellen werden. Sie tun es bereits. Die Frage lautet: Wie schaffen Organisationen dafür einen guten Rahmen?
Content-Erstellung wird einfacher
Es ist völlig normal, dass die Erstellung von Lerninhalten immer einfacher wird.
Meine persönliche E-Learning-Geschichte

Als ich Instructional Design mit dem Schwerpunkt E-Learning studierte, habe ich mühsam programmieren gelernt. Und als ich gerade meinen Abschluss in der Hand hielt, wurde Flash bereits zu einer sterbenden Technologie erklärt.
Autorentools wie Adobe Captivate und später Articulate Storyline erleichterten schon bald meine Arbeit. Sie machten vieles einfacher, aber die Erstellung interaktiver Lerninhalte verlangte weiterhin technisches und gestalterisches Können.
Später wurden die Autorentools für mehr Menschen zugänglich. Mit Articulate Rise konnten auch Learning Professionals ohne tiefes technisches Wissen schnell strukturierte und responsive Lerninhalte erstellen. Die Erstellung wurde einfacher und schneller.
Und heute beschleunigt KI diese Entwicklung. Vielmehr noch: sie ist disruptiv.
Selbst Menschen ohne Skills in Lerndesign, Technik oder Gestaltung können mit KI-Tools Lerninhalte erstellen. In den letzten Monaten sind diese Tools auch für viele Learning Professionals selbstverständlich geworden. Sie unterstützen uns bei Konzeption, Texten, Bildern, Präsentationen und Videos.
Wir erleben eine Demokratisierung von Lerncontent
Und diese Entwicklung ist nicht neu. Denn wenn wir auf Radio oder Fernsehen schauen, wird deutlich, dass früher nur wenige Medien produzieren und senden konnten. Heute hingegen kann fast jeder einen Podcast starten oder Videos auf YouTube veröffentlichen.
Das entwertet professionelle Medienarbeit nicht. Und auch nicht die professionelle E-Learning-Erstellung. Es verändert jedoch, wofür Fachleute gebraucht werden. Wer Qualität, Ziel, Kontext und Wirkung beurteilen kann, wird weiterhin gebraucht – auch wenn die technische Produktion leichter wird.
Unser Berufsbild verändert sich
Wir spüren nicht erst seit der Articulate-Keynote, dass sich unser Berufsbild verändert. Frontline ist sicherlich nicht der Grund.
Personen, die ausschließlich in Autorentools Lerninhalte produzieren, werden künftig weniger häufig gebraucht. Das bedeutet aber nicht, dass Learning Professionals überflüssig werden.
Unsere Aufgaben verschieben sich. Sie liegen stärker in der Analyse des eigentlichen Lern- und Performanceproblems, in der Beratung der Organisation und in der Auswahl passender Lösungen.
Expert Generated Content braucht einen Rahmen
Warum der Frontline-Ansatz sinnvoll ist
Ich halte den Grundgedanken von Frontline und dem dahinter liegenden Ansatz des Expert Generated Contents für richtig.
Expert Generated Content bedeutet: Fachexpert*innen erstellen Lerninhalte selbst. Sie kennen die Abläufe, die typischen Fehler und die Fragen aus dem Arbeitsalltag. Und sie wissen, wenn sich etwas verändert und somit eine Aktualisierung der Inhalte nötig wird.
Das kann bei bestimmten Trainingsbedarfen sehr sinnvoll sein:
- bei kleinen Zielgruppen
- bei dringenden oder kurzfristigen Bedarfen
- bei sehr spezifischem Fachwissen
- bei Inhalten, die sich häufig ändern
- bei Themen, die nicht strategisch genug für eine zentrale Hochglanzproduktion sind
Eine Abteilung mit 50 oder 100 Mitarbeitenden braucht vielleicht eine kurze Einführung in einen internen Prozess. Für diesen Bedarf muss L&D nicht zwingend Lerninhalte produzieren, die erst mehrere Monate später fertig sind.
Die Fachabteilung kann schneller reagieren. Und L&D gewinnt dadurch Freiraum für Themen, bei denen tiefgründige Analysen, professionelle Konzeption, hochwertige Gestaltung und zentrale Steuerung wirklich gebraucht werden.
Ein Tool allein reicht jedoch nicht
Expert Generated Content funktioniert aber nicht nach dem Prinzip „Tool bereitstellen, einmal erklären und dann läuft es von selbst“.
Auch ein KI-Agent wie Nova kann das nicht.
Er kann die Erstellung der Lerninhalte beschleunigen und erleichtern. Aber es kann nur im Sinne der Organisation funktionieren, wenn die passenden Rahmenbedingungen vorherrschen.
Dafür braucht es klare Verantwortlichkeiten, Prozesse, Qualitätskriterien und eine passende Governance – und diese sollten bei L&D liegen. Sonst droht womöglich eine Flut von Inhalten, die Mitarbeitende überfordern anstatt zu unterstützen.
Damit Fachexpert*innen gute Inhalte erstellen können, brauchen sie somit Orientierung bei Fragen wie:
- Welche Inhalte dürfen wir erstellen?
- Welche Informationen dürfen wir in ein KI-gestütztes Tool eingegeben?
- Welche Vorgaben gelten für Datenschutz und Informationssicherheit?
- Welche KI-Richtlinien müssen wir beachten?
- Wann muss ein Inhalt gekennzeichnet werden?
- Welche methodisch-didaktischen Grundsätze helfen bei der Erstellung?
- Wer prüft die fachliche Richtigkeit?
- Wer gibt Inhalte frei?
- Wann werden Inhalte aktualisiert oder abgeschaltet?
- Was darf getrackt werden?
- Mit wem und wie dürfen Inhalte geteilt werden?
- Wo und wie bekommen wir Unterstützung?
Nicht jeder Trainingsbedarf braucht dieselbe Lösung
Die Organisationsperspektive zählt
Die entscheidende Frage lautet nicht: „Welches Lernangebot möchten wir Lernexpert*innen am liebsten gestalten?“
Oder: „Was lässt sich am schnellsten umsetzen?“
Die Frage lautet: Welche Lösung bringt die Organisation mit den vorhandenen Ressourcen wirksam weiter?
Eine einfache Umsetzung, die ein konkretes Problem schnell löst, kann mehr bewirken als eine perfekte Hochglanzlösung, die erst Monate später verfügbar ist.
Hierfür ist Dezentralisierung sinnvoll – auch wenn es bedeutet, dass wir damit nicht (mehr) jede Produktion zentral kontrollieren können. Aber genau das ist auch nicht unsere Aufgabe. Unsere Aufgabe ist es, Lern- und Performanceprobleme zu lösen.
Dafür müssen wir akzeptieren, dass die beste Lösung nicht immer die ist, die wir selbst am liebsten umsetzen würden. Und wir dürfen in neue Rollen wachsen, die über die Erstellung von Lernangeboten hinausgehen.
Articulate ist keine Komplettlösung!
Mit den neuen Articulate-Produkten können Organisationen digitale Inhalte selbst erstellen. Die neuen Formate wie Schritt-für-Schritt-Anleitungen oder Szenarien ergänzen die bisherigen Möglichkeiten sinnvoll. Sie decken aber längst nicht die gesamte Palette an Lernlösungen ab.
Um zu beurteilen, ob eine Articulate-Umsetzung durch Lernexpert*innen oder Fachexpert*innen passt, braucht es eine Gesamtsicht auf die Organisation und ihre Ressourcen.
Das Unternehmen braucht vielleicht kein E-Learning. Vielleicht braucht sie ein Gespräch, eine Checkliste oder ein Präsenztraining. Und vielleicht gibt es auch schon ein Lernangebot im Unternehmen, das nur mehr Aufmerksamkeit bei der Zielgruppe benötigt.
Manchmal ist es auch klüger, Inhalte einzukaufen oder extern erstellen zu lassen.
Make or buy?
Diese Gesamtsicht und die Entscheidung für einen Umsetzungsweg, gehört nicht in die Hände der Fachexpert*innen. Das sollte weiter bei L&D liegen.
Bei einem neuen Trainingsbedarf sollten wir daher prüfen, ob wir:
- das Training selbst entwickeln,
- die individuelle Entwicklung durch externe Lernspezialist*innen beauftragen,
- Fachexpert*innen zur eigenen Erstellung befähigen,
- ein Lernangebot „Out of the Box“ einkaufen,
- vorhandene Inhalte kuratieren,
- oder mehrere Wege miteinander kombinieren.
Denn sicher ist: Keine dieser Lösungen passt immer.
In deinem L&D-Team gehen regelmäßig Trainingsbedarfe ein und du suchst Orientierung, um solche Entscheidungen zu treffen?
Dann komm am 26.10. 26 (13 - 14 Uhr) in mein Webinar:
Der Make-or-Buy-Kompass

Ich zeige dir, wie ich vorgehe, wenn in einer Organisation ein Trainingsbedarf entsteht – und wie du entscheidest, welche Lösung passt.
Der Make-or-Buy-Kompass hilft dir dabei, nicht reflexartig immer dieselbe Lösung zu wählen. Du siehst, welche Fragen bei der Auswahl helfen und wie sich die verschiedenen Wege einordnen lassen.
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Fazit
Die Articulate-Keynote zeigt mit Frontline eine Entwicklung, die zu vielen Organisationen und ihrem steigenden Lernbedarf passt. Fachexpert*innen können sich selbst helfen und ihr Wissen schneller weitergeben. L&D muss dadurch nicht zum Nadelöhr für jeden einzelnen Bedarf in der Organisation werden.
Das funktioniert aber nur, wenn Organisationen klare Rahmenbedingungen schaffen. Es braucht Regeln, Verantwortlichkeiten, Qualitätskriterien und Unterstützung bei der Umsetzung.
Für Instructional Designer*innen und Learning Professionals bedeutet diese Entwicklung nicht das Ende unseres Berufs. Sie verändert jedoch den Schwerpunkt unserer Arbeit.
Wir werden sicherlich weiterhin hochwertige Lernangebote entwickeln. Wir werden aber auch entscheiden, wann eine hochwertige Produktion sinnvoll ist, wann Fachexpert*innen Inhalte erstellen sollten und wann ein Einkauf oder eine Kuratierung besser passt.
Articulate möchte Instructional Designer*innen nicht abschaffen. Aber die Zeit, in der wir jeden Lerninhalt selbst im Tool bauen mussten, geht zu Ende. Und das ist gut so, denn unser Wert liegt nicht darin, möglichst viele Stunden im Autorentool zu verbringen. Unser Wert liegt darin, dafür zu sorgen, dass Menschen und Organisationen die Lernlösung bekommen, die sie tatsächlich brauchen.
Wie ordnest du die Weiterentwicklung von Articulate ein?
Hinterlasse mir einen Kommentar mit deinen Gedanken.

Danke für diese sehr gute Erklärung. Ich stimme Deiner Analyse und den Schlußfolgerungen völlig zu.